Einige Winke bei der Verpaarung langschnäbliger Elstern

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Einige Winke bei der Verpaarung langschnäbliger Elstern. von C. Bovenschen jr., Cöln

Man darf ruhig sagen, daß die Zucht der Elster als eine der schwierigsten zu betrachten ist. Was hat der Züchter nicht alles zu beobachten? Wie erreicht er seine Ziele, um dem Ideal nahe kommende Tiere zeigen zu können? Zunächst soll er bei der Verpaarung nur nicht allzu großen Wert auf die Zeichnung legen, denn die Elster ist eine Figurentaube und wird auch nach diesem Gesichtpunkte gerichtet. Außerdem werden von Schecken fast ebenso gut rein gezeichnete Tiere fallen, wie rein gezeichnete häufig genug fast nur Schecken züchten. Vor allem stelle man die Frage in den Vordergrund: Wie züchte ich Tauben, die durch hervorragende Gesamterscheinung und gute Proportionen den Richter sofort für sich einnehmen? Die Antwort müßte meiner Ansicht nach wie folgt lauten: Zunächst muß ich genau die Verwandtschaft meiner Tauben kennen; ich muß wissen, welche Punkte Zuchttäuber und Zuchttäubin einzeln vererben. Dann setze ich nach dem Grundsatz meine Paare zusammen, daß der Täuber die Figur und Fülle im Vorderkopf, die Täubin aber die Gesichtslänge vererbt. Mein Prinzip ist es, den zarten Tauber mit langem Hals und Beinen an eine, wenn in Figur auch nicht ebenso gute, doch an eine Täubin zu paaren, die sich durch besondere Gesichtlänge auszeichnet. Habe ich nun zarte Täubinnen, so weiß ich sie stets an den richtigen Täuber zu bringen, wenn er vielleicht auch etwas groß erscheinen mag. Es sei nicht gesagt, daß die Extreme sich ausgleichen; z.B. ein Täuber mit sehr langem Hals und kurzen Beinen paßt am besten auf eine Täubin mit kurzem Hals und langen Beinen, denn die Fehler vererben sich leichter, ja ich möchte sagen, konstanter als gute Punkte. Erst nachdem man genügend Rücksicht auf die Gesamterscheinung genommen hat, denke man an die Vererbungsmöglichkeiten der Kopfpunkte. Ich möchte fast sagen, daß ich in jedem Jahr einige Paare so zusammen setze, daß ich auf jeden Fall gefüllte Köpfe bei den Jungtieren erreiche, wenn dann auch die Gesichtslänge zu wünschen übrig läßt. Dafür finden aber auch einige Paare in meiner Voliere Aufnahme, die langes Gesicht vererben. Aus diesen beiden Linien die Jungen gepaart, geben in den meisten Fällen die besten Aus-stellungstiere. Auf Länge des Schnabels zu züchten, erscheint mir nicht ratsam, denn dann ist meistens der Schnabel dünn angesetzt und der Entwicklung des Kniffs ist freie Bahn geschaffen. Außerdem ist es doch nur das lange Gesicht, das den Elstern den Ausdruck der besonderen Eleganz im Kopfe gibt. Die besten Ausstellungstauben sind noch nicht lange die besten Zuchttiere. Zwar ist es schon richtig, zu behaupten, daß man eines jeden Zucht an der Qualität seiner ausgestellten Tiere erkennen kann, aber die Eltern und Züchter dieser Ausstellungssieger sitzen meistens zu Hause. Sie besitzen beinahe zu viel Substanz; bei ihnen sind die Kopfpunkte zu sehr entwickelt, sei es Länge oder Fülle. Dies sind wohl die grundlegenden Gedanken, die jeder Elsterzüchter sich vorhalten sollte, wenn er im Frühjahr seine Paare zusammensetzt.

Aus „Die Tümmler - Ihre Geschichte, Beschreibung, Zucht, Pflege und Bewertung“ von R. Seliger, Berlin, ungefähr aus dem Jahr 1925.

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