Inzucht bei den Tauben

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Inzucht bei den Tauben


Auf Inzucht und Inzuchtfolgen bin ich in meinen Büchern eher beiläufig eingegangen. Das nächste Buch wird dazu aber ein größeres Kapitel beinhalten und auch auf rechnerische Inzuchtkoeffizienten eingehen. Im Buch Taubenrassen, S. 192 ff., beziehe ich mich u.a. auf Darwin. Dieser hat schon auf Beispiele verwiesen, wonach kleinwüchsige Rassen Inzucht möglicherweise besser vertragen als großwüchsige. Sir Sebright hätte seine Mövchen so stark ingezüchtet, dass er den Stamm mangels Fruchtbarkeit fast verloren habe. Die von ihm heraus gezüchteten Zwerg-Kröpfer hat Sebright vermutlich auch auf diese Weise verloren, so dass sie später von Tegetmeier wieder erzüchtet werden mussten.

In Büchern zur Tierzucht werden regelmäßig empirische Untersuchungen zur Wirkung auf Indikatoren der Vitalität angeführt. So nahm z.B. beim Schwein die Wurfgröße im Mittel um 3,1% bei einer Steigerung des Inputkoeffizienten um 10% ab und das Körpergewicht war bei 154 Tagen um 4,3% niedriger /Falconer, 1984). Auch für Brieftauben wurde 2005 ein Test im Hinblick auf Flugleistung vorgenommen. Tauben mit einem Inzuchtkoeffizienten von 37,5% im Vergleich mit einer Kontroll­gruppe zeigten für Entfernungen bis 202 km eine geringere Fluggeschwindigkeit und geringere Belastbarkeit bei Störungen (Meleg u.a. 2005).

Dass unsere reinen Rassetauben auch an Vitalität eingebüßt haben, das sehen wir regelmäßig dann, wenn ein Jungtier aus einer Fehlbefruchtung durch ein Tier einer anderen Rasse viel frohwüchsiger ist als die reinen Tiere.

Nach meiner Einschätzung wissen das aber auch viele Züchter und nehmen in zeitlichen Abständen Einkreuzungen nicht nur durch Tiere derselben Rasse aus anderen Zuchten vor, sondern kreuzen auch bewusst mit anderen Rassen. Das wird oft nicht zugegeben, andere Züchter berichten darüber aber sehr freimütig. Dr. Eichler habe ich in dem Zusammenhang für die Stralsunder im Buch „Pommersche Taubenrassen“ zitiert.

Bei größeren Beständen von 15 Zuchtpaaren und mehr ist eine Einpaarung nicht so oft erforderlich, bei kleineren Beständen schon. Und die Kreuzung ist auch nicht so problematisch wie manche Züchter glauben. Man ist überrascht, wie schnell sich bei Fremdkreuzungen die Rassemerkmale schon in der ersten Rückkreuzung, spätestens in der zweiten wieder einstellen. Das gilt auch bei extremen Rassen und Fremdrassen-Einpaarungen. Voraussetzung dafür ist immer, dass man die rassemäßig besten Tiere der eigenen Rasse verwendet. Ein sehr früher Beleg dafür stammt von den Norwegern Christie und Wriedt, die bei den Perückentauben 1927 ein reinrassiges Tier und ein Tier der ersten Rückkreuzung an Perücken abbildeten. Man darf raten, welches Tier das Original und welches die Rückkreuzung war.

Damit soll einer permanenten Kreuzung nicht das Wort geredet werden. Auch Kreuzungen haben Nachteile. Durch permanente Kreuzungen werden positive reinerbige Merkmals- und Verhaltensausprägungen des Stammes in Frage gestellt, durch Kreuzungen werden Vitalitätsminderungen durch Erb­krankheiten gelegentlich erst in einen Stamm hineingebracht, die Zuführung neuer Tiere ist mit einer Phase der Akklimatisation und mit der Gefahr des Einschleppens von Krankheiten verbunden, um nur einige wesentliche Punkte zu nennen.


      PROF. DR. AXEL SELL
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