Schlichte Schönheiten aus der Familie der DLT 2010

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Schlichte Schönheiten aus der Familie der Deutschen Langschnäbligen Tümmler

Uwe Held, Worms


Seit 1972 beschäftige ich mich nunmehr mit dieser imposanten Taubenrasse. War es anfänglich nur so zum Spaß an der Freude, so änderte sich dies schlagartig, nachdem ich mit meinem Vater, -der ja selbst gelbe und rote Elstern in großem Stil züchtete-, 1974 zum ersten Mal die "Colonia-Schau "in Köln besuchte. Wie gefesselt stand ich seinerzeit an den Käfigen der weißen Einfarbigen und war fasziniert von diesen schlichten Schönheiten. In den Folgejahren lernte ich auf der Colonia-Schau, -die für uns Tümmlerzüchter die Schau der Schauen war-, Züchterpersönlichkeiten wie Eugen Krampen (weiße Brünner-Kröpfer), Dr. Friedrich Eichler, Horst Fester, Willi Grahe und Johann Ahten kennen. Letztgenannter war Spezialzüchter der blau-rosaschnäbligen Elstern, die er in kleinem Stil hielt und zu großem Ansehen brachte. Bis zu seinem Tode im Jahre 2005 verband uns eine schöne Züchterfreundschaft, von der wir beide profitieren konnten. Auch Horst Fester aus Rheinfelden zählte zu meinen Zuchtfreunden und Lehrmeistern. Er übernahm 1974 die Weißenzucht vom Braunschweiger Hans Kruppop, kreuzte gelbe Elstern ein und konnte dadurch einen weiteren Qualitätsschub herbeiführen. Im Tausch gegen rote Elstern meines Vaters, bekam ich von ihm seinerzeit eine wunderschöne weiße Täubin, die zur Stammmutter meiner Weißenzucht wurde. Ähnlich wie heute züchtete ich meine Weißen damals in relativ kleinem Stil (6-8 Paare). Doch nun zurück zu den Anfängen der weißen Einfarbigen!

Die Geburtsstunde der heutigen weißen Deutschen Langschnäbligen Tümmler geht in das Jahr 1896 zurück, nachdem GUSTAV FISCHER, Magdeburg sie als perläugige Tümmler im "Fliegertyp" schuf. Bereits 1898 waren die ersten fertigen Tiere da und galten als kleine Sensation unter den Tümmlerzüchtern. Weiße Einfarbige waren zwar schon vorher vorhanden, aber sie hatten gelbe Iriden und waren deshalb unter den Züchtern nicht sonderlich beliebt. Hintergründig nannte man diese Weißen ,,Pariser”. Woher dieser Rassename abgeleitet wurde, kann heute nicht mehr exakt nachvollzogen werden. DR.FRIEDRICH EICHLER gab in einem Rassebericht an, dass aufgrund von Notizen der Schieferdecker´schen Taubenhandlung in Magdeburg ihr Weg über holländische Hagenaars nach Köln- das ja zeitweise französisch besetzt war- und von dort nach Magdeburg führte. Es ist also durchaus denkbar, dass der Name ,,Pariser” in Köln geprägt wurde. Mit dem Auftauchen der in England durch Französische Bagdetten modernisierten Magpies (ELSTERN), vollzog sich auch ein Umwandlungsprozess der Deutschen Langschnäbler bei uns. Diese Umwälzung zur modernen, schnittigen Figur, ging natürlich auch an den weißen Einfarbigen nicht spurlos vorüber. Der große Langschnäbler-Enthusiast MAX GALLREIN widmete sich in Spezialisierung den weißen Einfarbigen. Aus seinen Veröffentlichungen um 1930 ist zu entnehmen, dass er neben schwarzen Elstern auch mit 0,1 schwarzer Französischer Bagdette experimentierte, um Figurenverbesserungen herbeizuführen. Bedauerlicherweise gibt es über diese vorgenommene Bagdetten- Kreuzung keinerlei Bildbeweise! Mit fieberhaftem Eifer um die Vervollkommnung und Verfeinerung der Weißen bemühte sich in den Folgejahren (1930-70)eine rührige Gruppe enthusiastischer Züchter, angeführt von Wilhelm Franz, Hermann Hartung, Otto Neef, Walter Vocke, Hans Kruppop, Georg Pradelt und Willi Grahe. Durch den Einfluss von geeigneten Stralsunder Hochfliegern, zeigte Hartung 1946 verbesserte, bestechende Weiße, die durch ihre Zartgliedrigkeit Aufsehen erregten. Ohne hier nun die Musterbeschreibung im Einzelnen zu wiederholen, möchte ich in der Folge einige wesentliche Merkmale dieses so herrlichen Tümmlers interpretieren.

Beginnen wir mit der Form bzw. dem Typ unserer Weißen. Hochkarätige Weiße zeigen feine Figuren, in gut abgestimmter Harmonie von Bein- und Halslänge, mit wenig Körper, und absolut schräger Körperhaltung, mit langem, gezogenem Kopfprofil. Wie die mustergültige Kopfform unserer Deutschen Langschnäbler auszusehen hat, kann bzw. sollte im Standard nachgelesen werden.

Bei den Weißen wird man immer wieder aufs Neue mit Tieren konfrontiert, die die schräge Körperhaltung vermissen lassen, d.h., dass solche Tiere nicht abfallend genug stehen. Hier kommt längst verschüttet geglaubtes Erbgut der Stralsunder und des Kasseler Tümmlers wieder zum Tragen. Aus eigener Erfahrung kann ich dazu anführen, dass sich diese fehlerhafte Stellung stark vererbt. Eventuell kann man mit erstklassigen Täubinnen dieser fehlerhaften Erscheinung entgegenwirken, da Figurenverbesserungen nur durch "topp" Täubinnen erreicht werden können. Ansonsten sollten solch waagerecht stehende Tiere nur dann eine Daseinsberechtigung haben, wenn wirklich andere, außergewöhnliche Vorzüge dies rechtfertigen. Wertbestimmend und das Wesentliche an einem hochwertigen Tier ist die mustergültige Kopfpartie, einschließlich Schnabel und Augen. Lang und zart soll die Kopfpartie der zur Schau stehenden Tiere beschaffen sein. Bei aller Zartheit jedoch nicht substanzlos. Ich bevorzuge in meiner Zucht "Zuchttiere", die mit einer "Überfülle" an Kopfsubstanz, ähnlich der starken Schädel englischer Tiere (Magpies) aufwarten können. So sah ich gerade in den letzten Jahren auf den führenden Schauen etliche Weiße und andere Farb-und Zeichnungsschläge, die gerade in diesem Merkmal Defizite aufzuweisen hatten und dadurch der Standardforderung nicht gerecht werden konnten.

Eine züchterische Herausforderung stellt darüber hinaus ein tadelloses Perlauge dar. Ich wünschte mir an unseren Weißen die faszinierenden Augen der weißen Dänischen Tümmler, aber dieser Wunsch wird wahrscheinlich immer ein Traum bleiben, denn nicht selten zeigen Rassevertreter in der Iris leichte rote Blutäderchen. Durch die Hereinnahme eines weißen Dänen 1,0 aus der Zucht meines Freundes Theo Suntken soll versucht werden, hier Verbesserungen zu erzielen. Diese Kreuzung trägt nun erste Früchte! Ebenso kann für diese fehlerhafte Erscheinung falsche Futterzusammenstellung oder auch Freiflug verantwortlich sein. Gerade zu hoher Maisanteil im Futter bewirkt eine Ausbreitung dieses Fehlers, was in meiner Weißenzucht voll belegt werden konnte.

Bestechende Weiße zeigen schmale und zarte Augenränder, in ihrer Farbe feurig rot. Je feuriger die Augenränder beschaffen sind, desto anziehender wirken die Weißen. Blasse Ränder lassen entweder auf einen Konditionsmangel oder auf eine Krankheit schließen. Aber auch altersbedingt kann es zu einem Rückgang der Intensität des Augenrandes kommen. Seltsam, dass gerade die Tümmler aus Norddeutschland mit diesem Fehler weniger behaftet sind! So gab ich vor Jahren leihweise 1,1 Weiße an einen Zuchtfreund im Norden. Als ich dieses Paar wieder zurückholte, wunderte ich mich über die frappierende Bein-, Schnabel -und Augenrandfarbe! Nach einigen Wochen in ihrem alten Schlag ließ diese intensive Röte, die vom Farbton mit der Farbe des Rotweines vergleichbar war, wieder merklich nach.

Die Qualität der Weißen wird wesentlich durch eine gute Kehlung geprägt, weil dadurch das Gesicht optisch länger erscheint. Zum exakt gezirkelten Kehlschnitt gehört ein schlanker, im oberen Teil dünner Hals, der die Eleganz dieses Tümmlers positiv beeinflusst. Täuber neigen dazu, mit zunehmendem Alter in der Halspartie stärker zu werden, was eine Verkürzung der Ausstellungsperiode mit sich bringt, da starke Halspartien immer geahndet werden sollten. Sollte sich dieser Fehler schon an jährigen Tieren zeigen, so ist die Überlegung angebracht, diese aus dem Bestand zu verbannen.

Der Schwanz der Weißen soll so schmal wie möglich und dabei gut geschlossen sein. Überlange Schwanzpartien entwerten und lassen Kompaktheit vermissen, wobei gerade hier zu bedenken ist, dass solche Rassevertreter "meist" über extrem lange Kopfprofile verfügen. Dies ist anatomisch bedingt. Züchterisch muss man deshalb einen geeigneten Mittelweg finden, denn was nützen extrem kurze Tiere (in der Schwanzpartie), wenn diese dann das lange Gesicht und die dazu passende Schnabellänge, vermissen lassen. Auch konnte ich in den letzten Jahren unter den Weißen immer wieder Tiere ausfindig machen, die den Schwanz in der Schwanzmitte leicht spalten, obwohl eine Bürzeldrüse vorhanden war. Ich führe diesen gravierenden Ausschlussfehler ausschließlich auf die Volierenhaltung zurück. Meine Langschnäbler werden zum Teil im Freiflug gehalten, bisher trat dieser Fehler bei meinen Tieren nicht auf.

Gut geschlossen, glatt und dicht anliegend soll die Beschaffenheit des Gefieders sein. Um die Federfestigkeit zu verbessern, bietet es sich an, schwarze, rote oder dunfarbige Elstern einzukreuzen. Aber auch Einfarbige gleicher Farben können verwendet werden. So habe ich in meiner Zucht mit schwarzen Elstern, meist waren es Täubinnen, allerbeste Erfahrungen machen können. Schon in der F1, spätestens aber in der F2 -Generation fallen mit etwas Glück die ersten rein weißen Tiere an. Weiße Nachzuchten von schwarzen Elstern zeigen im Gefieder diesen "perlmuttartigen" Glanz, den ich an weißen Tauben so sehr liebe.

Zur Figuren- und Größenverbesserung greife ich immer gerne zu unseren Elstern, da sie, was Größe anbelangt, nach wie vor das Nonplusultra darstellen. Alle 6 - 8 Jahre tritt nach meinen Erfahrungen die Notwendigkeit ein, Blutzuführung durch geeignete Elstern oder Einfarbige vorzunehmen, da bei Weißen in Reinzucht die Nachkommen allgemein kleiner werden.

Bevor ich meine Zeilen über unsere Weißen schließe, noch kurz etwas über die Zucht und Haltung dieses extravaganten Tümmlers. Beim Aufbau der Zucht dürfen in jedem Fall die zur Verfügung stehenden Ausgangstiere eine entscheidende Rolle spielen. Ich empfehle immer bei den Züchtern Ausgangstiere zu beschaffen, die kontinuierlich über Jahre gleichbleibende Erfolge vorweisen können. Mitunter genügt schon eine einzelne geeignete Taube, auf der man seine Zucht aufbauen kann. Weniger ist in dieser Hinsicht oftmals mehr! Wie oft habe ich es schon erlebt, dass Neueinsteiger voller Euphorie alles Mögliche an Tieren und überallher zusammenkaufen, bis sie dann merken, -meist zu spät-, dass ein Vorankommen zum Scheitern verurteilt ist.

Auch der Standard und die darin enthaltene Formulierung über das Aussehen dieser Rasse, sollten immer eine wichtige Rolle spielen, denn es gibt nichts Wichtigeres in der gesamten Taubenzucht als das der im Standard verankerte Typ "pedantisch" eingehalten wird, denn Verlust des Typs würde das Ende einer Rasse, zumindest aber ihre Änderung bedeuten.

Weiße Einfarbige eignen sich für den Freiflug ebenso wie für die Volierenhaltung, wobei zu beachten ist, dass die Voliere eigentlich nicht groß genug sein kann. Bei optimaler Unterbringung der Tiere sind sechs Bruten pro Jahr keine Seltenheit, vorausgesetzt, dass die Zuchttiere über die nötige Kondition verfügen. Kreuzungspaare lasse ich stets das ganze Jahr über zusammen. Mit dem hereinbrechen der Hauptmauser stellen solche Paare den Zuchtbetrieb kurz ein, und setzten ihn, sobald die Mauser dann halbwegs abgeschlossen ist, fort. So kommt es nicht selten vor, dass in den Monaten Oktober - November feinste Nachzucht in den Nestern liegt, die aufopfernd und mit großer Sorgfalt von den Eltern aufgezogen wird

Zusammenfassend kann man wohl sagen, dass auch die Weißen etwas zu bieten haben. Ihre schlichte Eleganz, gepaart mit Substanz und Adel, zieht so manchen bewundernden Blick der Kenner auf sich. Wer sich ihrer Zucht annimmt, sie richtig pflegt und behandelt, wird nur Freude mit ihnen erleben und kein Verlangen nach einer anderen Rasse haben. Mit 4-6 Zuchtpaaren kann die Zucht erfolgreich betrieben werden. Mein Wunsch für die Zukunft ist der, dass sich zu den vorhandenen Züchtern wie Rodenbeck, Köhler, Groß, Neugebauer, Held weitere neue und ernsthafte Liebhaber mit dieser exklusiven Spielart der Deutschen Langschnäbligen Tümmler beschäftigen, sie weiter vervollkommnen und den zur Zeit bestehenden Aufwärtstrend aufrecht halten.

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